[POETENBLOG]
Das Wochenjournal eines Poeten

Montag, 1. Dezember 2008

POETENblog-lesen macht geil!

Anknüpfend an den vorangehenden Artikel, denken wir weiter...
Da es aber mit all diesen Genussmitteln und Lebensmitteln nicht getan ist, eine bessere Gesellschaft zu kreieren, fordere ich bereits heute, dass auf allen Büchern stehen muss: „Diese Buch kann zwar Ihre Sehtüchtigkeit verschlechtern, aber ihre Bildung verbessern“ und somit fordere ich auch, dass auf jeder Geldnote die Warnung steht: „Geld macht Arschlöcher“ oder „Versklaven Sie sich nicht!“ oder „GELD MACHT KRISEN“. Ebenfalls sollte dann auf jedem Wasserhahn stehen “Vorsicht, Grundwasser ist nicht rein.“ Oder „Grundwasser kann vergiftet sein“ oder „Kein Trinkwasser“. Damit mache ich aber noch nicht halt und fordere, dass auf jedem Medikament steht: „Dieses Medikament kann sie töten“ und auch dass auf jedem Kosmetikprodukt steht: „Dieses Kosmetikprodukt wurde für Sie brutal an Tieren getestet.“ Oder „Für dieses Produkt mussten 200 Tiere sterben“. Zudem muss auf jedem Bildschirm stehen, dass er blind macht, auf jedem Kondom muss stehen, dass es reissen kann, auf jeder Pillenpackung sollte dann auch die Warnung stehen: „Achtung, die Pille schützt nicht vor AIDS“ oder „Geschlechtskrankheit ist keine Schwangerschaft“ oder ähnliches. Auf jedem Turnschuh sollte stehen: „Sport ist Mord“ und auf jedem Wanderschuh muss der Vermerk: „Wenn Sie stolpern, brechen Sie sich ein Bein“ zu sehen sein. Im Schwimmbad muss dann auf dem Beckenboden stehen: „Vorsicht Wasser“ oder „Ertrinkungsgefahr“, auf jeder Zahnpastatube muss draufstehen: „Dieses Produkt schützt sie nicht vor dem Ausfallen der Zähne“ und auf jeder Antiaging Creme: „Niemand kann das Altern aufhalten.“ Bei jedem Arzt muss im Wartezimmer ein Schild zu sehen sein, auf dem steht: „Vor dem Tod kann Sie niemand heilen“ oder „Der Arzt kann auch nicht mehr wissen als Sie“. Im Bus muss dann das Schild sichtlich sein: „Schwarzfahren lohnt sich nicht!“ - ach nein, dieses Schild hängt ja bereits - aber im Restaurant auf der Menükarte muss die Frage stehen: „Sind Sie sicher, dass sie lieber nichts essen wollen?“ oder „Essen macht dick und führt zu Übergewicht“ oder „Getränke machen abhängig, Essen macht krank und das Lesen der Menükarte ermüdet ihren Sehnerv“. Auf jeder Mikrowelle muss stehen, dass die Strahlen Krebs erregen und auch auf jedem Handy, auf jedem Kleidungsstück muss somit eine Warnung stehen: „Dieses Material kann allergische Reaktionen hervorrufen, falls Sie Allergiker sind und es noch nicht wissen sollten, fragen Sie zuerst ihren Arzt, dann ihren Apotheker und schliesslich ihren Psychiater“. Oder auch der Schlaf müsste markiert werden: „Träume können Ihnen den Schlaf rauben!“. Sogar müsste dann auf jeder Haut eines jeden Menschen die Tätowierung eingebrannt werden: „Dieser Körper kann alt, krank oder beides sein“.
...oder vielleicht: "I'am a slave of sin!"

Dieser Artikel kann Ihr Bewusstsein verändern...

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Nun ist es nämlich auch bei alkoholischen Getränken soweit, dass man Warnschilder auf jede Etikette jeder Flasche drucken muss, wie schädlich denn der Alkohol sei und dass es dem eh schon schlechten Menschen noch schlechter gehen wird, wenn er ein Glas Wein trinkt. Wenn es einem schon schlecht geht, weil man als zuckerliebender, gelbzahniger, weintrinkender Raucher von der Gesellschaft ausgeschlossen wird, dann will man wenigstens sein vermiestes Leben im Alkohol ertränken. Man warnt weder bei Zigaretten noch bei Alkohol nicht vor dem übermässigen Gebrauch, dem überdosierten Konsum, sondern vor dem Konsum dieser Güter überhaupt. Nach den Warnungen auf den Etiketten der Zigaretten und Alkoholflaschen hört es aber nicht auf. Dort beginnt es erst. Als nächstes werden Warnungen auf koffeinhaltige Getränke gedruckt. Als nächstes wird das Fett sein Fett weg kriegen, denn auch Fett ist sehr ungesund und macht süchtig, schadet dem verweichlichten gesunden Menschen und nicht zu vergessen: das Fett macht fett. Also muss in Zukunft auf jedem Speckwürfeli oder auf jeder Butter ein Warnschild aufgedruckt werden. Man wird also in Zukunft in einem Café sitzen, bestellt eine Schale und bekommt eine Tasse mit dem Aufdruck: „Dieses Koffeingetränk führt zu Herz- und Kreislaufbeschwerden“, man will Zucker in seinen tödlichen Kaffe geben und auf der Verpackung des Würfelzuckers wird zu lesen sein: „Zucker führt zu mörderischem Zahnausfall“ oder psychologisch noch raffinierter: „Süsses Leben führt zu einem bitteren Tod!“. In seinen tödlichen Kaffe mit dem schädlichen Zucker möchte man vielleicht auch einen Schluck Rahm, auf dem stehen wird: „Fett tötet sie!“. Der gesunde Kellner wird sie angrinsen mit einem Aronal und Elmex-Lächeln und ihnen „Prost“ wünschen, als hätte er Arsen in Ihren Kaffee geträufelt. Aber auch dort stoppen wir nicht, denn dann folgen natürlich auch die Energy-Getränke mit erhöhtem Koffeingehalt und dem tödlichen Taurin, auf den Alcopop-Getränken wird dann eine doppelte Warnung stehen wegen dem Zucker und dem Alkohol. Auch der Tee kann sehr gefährlich sein, zu viel davon gibt fleckige Zähne oder lässt Sie nicht einschlafen. In einem weiteren Schritt wird dann auch noch auf nicht biologischem Gemüse stehen: „Diese Gemüse kann vergiftet sein!“ - Doch auch dort werden die Menschen nicht halt machen, die ja nur das Beste für die restliche Gesamtbevölkerung der Erde wollen.

In diesem Sinne: "Live long and healthy - do nothing!"

Der gehetzte Raucher

An den Artikel von vorhin anknüpfend, rege ich mich weiter auf...
Nun wollen sie uns auch noch das Rauchen nehmen. Aber nicht nur, dass wir nun das Rauchen an sich verbieten - zuerst mal in öffentlichen Lokalen und auf öffentlichen Plätzen - sondern wir wollen die Raucher selbst verbieten. Wir nichtrauchenden, weisszähnigen, mageren Personen verunglimpfen alle Qualmjunkies, die zwar nicht der Umwelt schaden, aber ihren Kindern. Wir machen sie zu Süchtigen, die zwar kein CO2 verursachen, aber Krebs. Wir machen sie zu willenlosen Mördern, die zwar nicht mit Katalysator rauchen, dafür aber mit Lightfilter. Was wir von diesen selbstmörderischen Nikotinteerkohlenmonoxiden halten, kann jeder Betroffene noch recht harmlos auf seiner Zigarettenschachtel lesen. Die Warnungen auf den Zigarettenpackungen zeigen uns auf, was wir alles falsch machen können beim Genuss, den Genuss zu geniessen. Sie zeigen uns auch, wie schlecht wir sind, sie setzen uns auf eine Stufe, die deutlich unter jenen Menschen steht, die ohne Qualm und somit auch ohne Zucker und dafür mit weissen gesunden Zähnen leben wollen. Mit diesen Warnungen wird jeder einzelnen Person das Recht abgesprochen, dass sie selbständig ist, dass sie aus freien Stücken entscheiden kann, ob und wie viel sie von einem Genussmittel konsumieren oder eben geniessen will. Diese Warnungen entblössen jeden, der ein solches Konsumgut kauft, als ein lebensunwertes Subjekt, welches eliminiert werden muss, da sie den anderen, daseinsberechtigten Menschen und nicht zuletzt ihren eigenen Zähnen Schaden zufügen mittels eines glühenden und verduftenden Tabakstängels. Diese Warnungen auf den Zigarettenschachteln waren der Anfang eines selbstjustizierendes System, in dem nur die gesunden oder zumindest gesundlebenden Menschen mit weissen Zähnen ein Recht haben, auf andere hinabzusehen, zu urteilen und zu verurteilen. Letzten Endes auch, um sich selber besser zu fühlen. Diese Warnungen unterstreichen, dass Gesinnungs-Rassismus oder Diskriminierung als legitimes Mittel zur Bekämpfung von möglichen Krankheiten geduldet, ja sogar gefördert wird. Scheibenwischerei, Schönrederei und die Zuversicht, dass diese Warnungen auf den Qualmsärgen – wie die Zigarettenschachteln von den Nichtrauchern gern genannt werden - das Bewusstsein ändern, sind Gang und Gäbe bei den Befürwortern. Diese Warnungen auf den Tabakerzeugnissen sind jedoch nicht bloss Angriffe auf die freie Persönlichkeitsentwicklung, auf die Würde des Menschen und auf dessen Moral, sondern sie rufen all die schädlichen Gedanken in unser Gedächtnis, welche diese Krankheiten forcieren, weil wir sie wie Unkenrufe bei jedem Griff zur Schachtel sehen und sie sich längst in unser Hirn eingeprägt haben. Die Folge davon ist, dass dem rauchenden Menschen bereits impliziert wird, dass er krank wird und dass er süchtig ist. Weil der stete Tropfen den Stein höhlt, wird der Mensch, der nicht auf die Warnungen hört, auch folge dessen krank, weil er davon ausgeht. Als nächstes kommen abschreckende Bilder - die sich noch eindringlicher in das Gehirn einbrennen - auf die Packungen und Schachteln, damit wir auch ja nie vergessen, das wir krank werden. In der Schweiz ist es noch brisanter als anderswo, denn die Schweizer Regierung subventioniert den Tabakanbau mit Millionen, aber das Rauchen wird verboten. Es wird noch absurder: Zur selben Zeit, als man den Tabakkonsum verbot, obschon man ihn finanziell unterstützt, debattieren die Schweizer Parlamentarier über die Freigabe von Hanf und Cannabisprodukten.... Das ist die Schweizer Logik: Die Äpfel sind zwar rund, rot und schön, die Armbrüste jedoch krumm, braun und hässlich.
In diesem Sinne: "Have you got a smoke?"

Trophäensammler sind auch bloss Jäger!

An den vorhergehenden Artikel, denken wir kurz weiter...
Nachdem wir uns nun gefragt habe, wie es mit dem Sammlerinstinkt steht, richten wir nun unser Augenmerk auf das Jagen. Hauptsächlich horten weibliche Menschen den Sammlertrieb ausgeprägter als die männlichen. Da muss natürlich auch der Jagdinstinkt gefördert und befriedigt werden. Die weitläufige Meinung, dass die männlichen Menschen die Sammler seien, weil keine Frau Briefmarken sammle oder Bierflaschen aus aller Herren Länder, ist falsch. Irrtümlicherweise gehört das Sammeln von Bücher, von Briefmarken, von Autogrammen, etc. nicht zum Sammlertrieb, sondern zum Jagdinstinkt. Ein Bibliophiler jagt nach Erstausgaben, nach signierten und nummerierten Büchern, er jagt Sonderdrucken hinterher und seltenen Exemplaren. Dass er Bücher auch sammelt, steht im selben Verhältnis, wie der Jäger die Köpfe seiner Beute ausgestopft an die Wand hängt. Das Sammeln von Büchern ist bei einem Bücherjäger somit eine zwangsläufige Begleiterscheinung des Jagens. Die jagenden Menschen spielen gerne Computerspiele, gehen auf die Pirsch und schauen einem Fussball-Spiel zu, bei dem es nur darum geht, einem Ball nachzujagen, um herauszufinden, welche Mannschaft die Beute zuerst erledigen kann. Fussball findet auch seinen Ursprung im Krieg. Gespielt wurde mit abgehackten Schädeln der Feinde, Trophäen, die man gesammelt hatte, um den eigenen Sieg zu beweisen und die Überlegenheit zu demonstrieren. Macht und Stärke sind die Waffen, Trophäen und Pokale die Spielzeuge der jagenden Menschen. Die Playstation gehört mittlerweile zur Grundausstattung eines jeden Junggesellenhaushaltes und die Highscore-List zu den meistgelesensten Zeilen. Spiele bei dem sich der jagende Mensch voll austoben kann, sich in die ureigene Jägerrolle hineinversetzen kann und ballern, alles abknallen, was er als Beute ansieht. Gewonnen hat bei solchen Spielen immer der, der am meisten gejagt hat, am meisten Beute gemacht, am schnellsten reagiert und am meisten Punkte gesammelt hat. Der jagende Mensch jagt nach allem, was bei 43 nicht auf den Bäumen ist, wir jagen im Sport, beim Spiel, im Krieg, beim Flirten und beim Autofahren.

Silva, Panini & Underberg

Anknüpfend an den vorherigen Artikel, denken wir weiter ans Sammeln.
Angefangen hat alles mit Silva- und Mondo-Sammel-Punkten (Einkaufsmarken). Man kauft ein, um dann Marken zu erhalten, für die man wiederum die Bilder bekommt, die man selber einkleben muss, in ein dafür vorgedrucktes Buch. Das funktioniert heute kaum mehr, bloss die Panini-Bilder (Idole zum Einkleben) boomen immer noch. Aber nicht nur Fußball-Spieler-Bildchen, sondern auch jagende Raubtier-Panini und abenteuerliche Flugzeug-Kleber wurden gesammelt und eifrig eingeklebt, heute bleibt es bei den Fussball-Bildchen. So lässt man die Kinder des Kapitalismus an den Sammel-Kauf-Instinkt gewöhnen, der in jedem von uns wohnt und nur darauf wartet, ausgebeutet und manipuliert zu werden. Kinder müssen erzogen werden, Kinder brauchen Spielsachen, Kinder sammeln gern, Kinder lesen schon früh. Nur lesen sie keine Bücher sondern alles vom Boden auf, was vor ihnen liegt. Der Sammlerinstinkt ist bei Kindern noch sehr natürlich und sehr prägnant. Dann kommen sie in ein Alter, in dem sie mit Schlümpfen (blaue Gnome) spielen wollen. Da es sich aber besser spielt mit ganz vielen verschiedenen Charakteren der Schlümpfe, als nur mit dem Papaschlumpf, müssen also Schlümpfe gesammelt werden. Was will man denn mit einem einzigen Playmobil-Cowboy (Zick-Zack behaartes Männchen), wozu dient ein einzelner Lego-Stein (Architektur-Rohstoff-Spiel) oder mit wem spielt „Spiel-mit-mir-Barbie“ (HighSociety-Mädchenpuppe)? Es ist wie beim Puzzle: Was als einzelnes Stück keinen Sinn ergibt, wird besser in der Masse. Je mehr Lego-Steine das sammelnde Kind hat, desto grössere Einkaufszentren kann es bauen. Lobenswert ist hier das Sammeln von Dick Tracy-Detektivgeschichten, Luky Luke-Comics (glücklicher Cowboy), Asterix & Obelix-Büchlein (Dick und Doof zur Römerzeit) oder Playboy-Heftchen (Ausklapp-Roman). Wenn der sammelnde Mensch sich an die Panini-Bilder gewöhnt hat, kommen die Sammel- und Treue-Punkte, Prämien und Sonderangebote gerade recht. Sammeln Sie 500 Punkte und Sie erhalten eine wunderbare 24teilige Kochtopfkombination, die Sie nicht mehr vermissen möchten, wenn Sie sie erst mal haben, zum Vorzugspreis von nur 199.-. Solche Werbung und Tricks können nur bei einem sammelnden Menschen funktionieren. Viele Werbungsaktionen sind auf weibliche, sammelnde Menschen fixiert, vor allem in den Branchen Mode, Haushalt, Schmuck, Möbel, Hygiene & Kosmetik. Selten finden man eine Sammleraktion für Jäger. Die Kräuterschnapsfirma „Underberg“ jedoch lancierte eine Aktion, bei der man die Deckel der kleinen Fläschchen sammeln sollte, um, wenn man 800 Deckel gesammelt hat, ein Underberg-Glas erhält mit dem eigenen Namen eingraviert. Diese Aktion wurde beschränkt auf ein Jahr. Wer also in einem Jahr 800 Underberg trinkt, also insgesamt lediglich über 14 Liter davon, der hat sowieso schwerste Magenprobleme und womöglich noch ein Alkoholproblem. Dem kann doch wohl man ein Underbergglas mit seinem Namen für seine Schnapsglassammlung stiften. Wichtig bei solchen Aktionen ist es, dass immer das Sammeln und das Jagen angesprochen wird. Wenn Sie 100 Punkte sammeln, jagen sie dem Preis entgegen. So ein Preis hat nicht jeder und wenn man ihn erbeuten kann, so wird dies der Jäger zumindest versuchen.

In diesem Sinne: "Drink Underberg!"

Sonntag, 23. November 2008

Rabatt-Jäger sind auch bloss Sammler...

An den anknüpfenden Artikel denken wir vorangehend weiter...


Angefangen hat es doch wohl mit den holländischen Tulpen. Dann wurden es Rosen ohne Dornen, keine Mimosen oder Pissnelken, sondern indische Lilien, äthiopische Orchideen. Also macht sich der jagende Mensch auf, dem sammelnden Menschen ein solch extravagantes Blütenkraut zu jagen, zu finden, als Beute dem sammelnden Menschen zu bringen und dafür als Dank wiederum eine Trophäe vom sammelnden Menschen zu erhalten, schliesslich geht es ums Geben und Nehmen. Weil jede Tulpe jedoch heimlich eine Rose sein will, sieht sie nicht, dass man auch Freude an den Tulpen haben kann und deshalb jagt der Mensch nicht nur nach Emotionen oder sammelt Veilchen und Vergiss-Mein-Nicht, sondern er sammelt alles, was ihm lieb geworden ist. Noch modernere Einkaufszentren bedienen den modernen sammelnden Menschen, der – womöglich für den Winterschlaf – so viel sammeln will wie nur irgendwie möglich. Eine einfache Veranschaulichung ist das Sammeln von Schuhen, Handtaschen oder eben Affären und nicht zuletzt das Sammeln von Geld. Kapitalismus funktioniert nur dank des Sammlerinstinktes des angeblich modernen Menschen. Ob Marken, Noten oder Gold; wer genug Geld sammelt wie Dagobert Duck, kann schwimmen im Geld, weiss, dass Geld nicht stinkt und auch, wie man es ausgibt. Der sammelnde Mensch hortet alles, braucht stets der letzte Schrei oder zumindest das letzte Paar Schuhe, um eine vordergründige, kurzlebige Befriedigung zu verspüren. Befriedigung gibt es dem sammelnden Menschen, wenn er das gesammelte Geld ausgeben kann für etwas, was er eben auch noch sammelt. Der Sammler-Champion ist jedoch der, welcher seinen Sammlertrieb ungehemmt im Kaufhaus im Kaufrausch auslebt, sich gehen lässt, begleitet von subtiler Werbung, die nur den Urinstinkt des Sammelns ansprechen. Ein gutes Anschauungsobjekt ist hier die Küche. Eine Pfanne reicht schon lange nicht mehr. Es braucht eine Bratpfanne, eine Dampfkochtopfpfanne, eine Niedergarpfanne, ein Set Teflon-Pfannen, eine Spargelpfanne, eine Eierpfanne, einen Wok, eine kleine Pfanne, eine grosse, eine ganz grosse Pfanne und eine Bettpfanne. Elektrische Messer, Mixer, Entsafter, Brotbackmaschinen, was man eben so braucht im alltäglichen Leben. Natürlich bietet der Megastore um die Ecke genau das an, was wir schon immer brauchten, um uns endlich glücklich zu fühlen. Ganz anders als der sammelnde Konsument, ist der jagende Konsument, der so genannte Schnäppchenjäger, oder auch Rabatt-Jäger genannt. Sie begnügen sich mit kleinen Dingen. Sie jagen nach den günstigsten Pelati-Konservenbüchsen, die normalerweise für 60 Rappen angeboten werden, aber die Rabatt-Jäger haben sie gefunden: Die Pelati-Konservenbüchse für 50 Rappen abzüglich 15% Rabatt. Stolz werden sie von anderen sammelnden Rabatt-Jäger gelobt und gefeiert, denn niemand außer sie erhalten die Pellati-Büchse für 42einhalb Rappen. Sieg, Punkt, Heureka!

Sammeln wir weiter: "Collect yourself!"

Jagen Sie Blumen!

An den vorangehenden Artikel denken wir anknüpfend weiter...

Angefangen hat alles mit dem Jagen und Sammeln. Der Mensch war schon immer ein Jäger und ein Sammler. Er jagte Sammelnde und er sammelte Jäger. Die Menschen sammelten sich schon von Anbeginn gegenseitig. Auch heute wird gesammelt und gejagt. Die männlichen Menschen jagen weibliche, die weiblichen Menschen lassen sich jagen und sammeln dabei die männlichen. Dabei handelt es sich um eine typische Win-Win-Situation, denn finden beide zusammen, haben beide gewonnen. Sie hat einen Kerl, eine Liebelei oder ein Karma mehr in ihrer Sammlung und er hat seine Jagd ebenfalls erfolgreich beendet. Hat der jagende Mensch erst mal die Beute erledigt und beschlagnahmt, so hält er sie mit stolzgeschwellter Brust an der Schulter, legt seinen Arm um sie und markiert sie so für andere. Kommt ein anderer Jäger in die Nähe seiner Beute, wird der jagende Mensch sein Revier verteidigen und seine Trophäe mit Prügelstrafe oder mit Intrigen beschützen. Der sammelnde Mensch hingegen genießt es zeitweilen, wenn ein Jäger ihn beschützt, jedoch wird es ihm meist schnell zu anspruchslos, weil man beim blossen Betrachten einer solcher Revier-Schlägerei oder einem Kabalen-Spiel weder sammeln noch jagen kann.

Beim Balzverhalten verhalten sich Sammelnde und Jagende jedoch ähnlich. Die sammelnden Menschen haben viel mehr Freude an einem Blumenstrauss als die Jagenden. Wenn der sammelnde Mensch einen Blumenstrauss erhält, dann denkt er daran, wie man für ihn in der Blumenwiese stand und Sti(e)lblüten sammelte, um sie dann zusammenzubinden und jemandem zu geben, der wirklich Freude daran hat. Jemandem der das Sammeln zu schätzen weiss und das sind eben nur die sammelnden Menschen. Da kommen die ganzen Blumengeschäfte gerade richtig, die es dem jagenden Menschen das Sammeln erleichtern und dem Sammelnden vortäuschen, dass diese Blumen noch von der Wiese stammen, wie man den Strauss anno dazumal pflückte.

Ganz im Sinne von: "Love showers brings May flowers"